Zuerst nähren, dann entgiften: Warum diese Reihenfolge funktioniert
Ein Mann kommt in die Praxis, und nach einer ausführlichen Anamnese lautet die Schlussfolgerung, dass er jahrelang zu viel auf einmal gemacht hat und seine Beschwerden auf eine Nebennierenerschöpfung zurückzuführen sind. Das ist gut behandelbar, und mit Ratschlägen, Nahrungsergänzungsmitteln und Kräutern kehrt er nach Hause zurück. Beim nächsten Besuch erzählt er, dass es noch schlimmer ist als zuvor. Er hat keine Energie, schleppt sich willentlich vorwärts und streitet sich ständig mit jedem. Seiner eigenen Aussage nach liegt das daran, dass er sich so überstimuliert fühlt und daher immer weniger von seiner Umgebung ertragen kann.
Meine erste Frage ist, was er mit meinen Ratschlägen gemacht hat. Die Antwort überrascht mich ziemlich: „Nun, es hat nicht sofort funktioniert, also habe ich kurz im Internet nachgesehen und eine Detox-Kur für mehr Energie gefunden, also habe ich die gemacht.“ Ich fragte ihn, was danach geschah, kannte die Antwort aber schon. Seine Beschwerden verschlimmerten sich drastisch.
Ich schätze es, wenn Menschen selbst nachdenken und Entscheidungen treffen, aber das hier habe ich nicht kommen sehen. Nach einigem Nachfragen kam die Wahrheit ans Licht. Er fand meinen Vorschlag, den Körper zuerst zu nähren und erst dann zu entgiften, veraltet. Er bevorzugte schnelle Lösungen, sozusagen.
Ich konnte ihm sofort erklären, wo der Fehler lag und was die Detox-Kur bei ihm angerichtet hatte. Außerdem war die Denkweise, mit der er diese „Detox-Kur“ durchführte, genau dieselbe, die er im Alltag und bei der Arbeit hatte und die ihm seine Beschwerden eingebracht hatte.
Warum Reparatur vor Reinigung kommt
Es scheint, als ob jeder nur schnell fertig werden will; alles muss schnell, schnell gehen. Auch die Behebung von Beschwerden, als ob dein Körper ein Auto wäre, das bei einem „Defekt“ einfach repariert werden kann. Man schmiert die Sache mit etwas sprichwörtlichem Öl und es sollte wieder laufen. Das heißt, man wirft ein paar gesunde Pillen und etwas Bio-Essen hinein, dann muss es wieder laufen.
Dieser Herr dachte also, er sei schnell fertig und könnte mit einer Detox-Kur seine Nebennierenerschöpfung „beheben“. Du ahnst es schon: Das funktionierte nicht. Wir hatten eine ausführliche Diskussion: Nein, dein Körper ist kein Auto. Er ist eher ein lebendes Haustier. Er kommuniziert mit dir durch Schmerzen, Unbehagen, Enthusiasmus und andere Gefühle. Die Signale sind meist subtil: Du musst dir bewusst machen, dass dein Körper auch etwas will, wie Ruhe, gutes Essen, keinen Alkohol, um nur einige Beispiele zu nennen.
Wenn Sie erschöpft sind und fasten, um zu entgiften, erschöpfen Sie sich weiter. Ihr Körper benötigt viel Energie, um die Giftstoffe aus dem Körper zu entfernen. Außerdem müssen die Ausscheidungswege frei sein, sonst entgiften Sie nicht. Nur wenige Menschen wissen, dass Haut, Nieren und Darm Pflege und Aufmerksamkeit benötigen, damit sie als Ausscheidungswege dienen können, um Abfallstoffe aus dem Körper zu entfernen.
Zuerst Energie, dann Entgiftung
Fasten ist natürlich gut, aber als Entgiftung ist es nur sinnvoll, wenn man es mindestens 3 Tage lang macht, besser noch länger. Bei einer Entgiftung können Sie mit Hilfe spezifischer Kurmittel Ihren Körper dabei unterstützen, sich von Abfallstoffen zu entlasten. Das geht etwas schneller und intensiver als nur Fasten, und dafür benötigen Sie auch mehr Energie.
Wenn diese Energie nicht vorhanden ist, sollten Sie Ihre körperliche Aktivität vorübergehend reduzieren, Ihre Ernährung anpassen und sicherstellen, dass sich Ihre Schlafqualität verbessert. Erst dann können Sie den nächsten Schritt tun und an eine Entgiftung denken.
Die Entgiftung Ihres Körpers erfolgt in Phasen. Zuerst spülen Sie Ihren Darm gründlich durch, was eine innere Reinigung einleitet. Beginnen Sie daher immer mit Darm und Leber. Anschließend können Sie Ihren Körper subtil oder weniger subtil weiter zur Entgiftung anregen.
Der Herr wurde übrigens trotzdem gut behandelt. Er verstand die Botschaft, bekam wieder mehr Energie und machte ein halbes Jahr später doch noch eine kräftige Entgiftung.
Natürlich unterscheiden sich die Signale von Mensch zu Mensch, und manchmal bleiben bestimmte Symptome bestehen. In diesem Fall ist es besser, weiter zu suchen, zum Beispiel bei einem komplementär arbeitenden Therapeuten, der Ihnen mithilfe von Bioresonanz, Naturheilkunde, orthomolekularer Medizin oder auf andere Weise behilflich sein kann.
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